Beispiel Kassendifferenz



Ich arbeitete während meines Studiums 2 Monate als Teilzeitkraft in einer Spielothek, dort entstand mir eine Kassendifferenz, die von meinem letzten Gehalt abgezogen wurde. Wie ich mit Hilfe eines arbeitsgerichtlichen Mahnbescheides und eines folgenden Vollstreckungsbescheides einen Titel erwirkte und die Differenz wieder bekam, möchte ich hier kurz schildern.

Die Situation

Beim Geldwechseln benutzte ich eine Zählmaschine. Diese hatte eine Reset-Taste, die ich zwischen zwei Zählvorgängen vergaß zu drücken, so wurden die beiden Beträge addiert und ich gab einem Kunden ca. 200 Euro zu viel heraus. Die Maschine stellt sich automatisch nach ca. 1-2 Minuten auf null, allerdings fanden die Wechselvorgänge zu schnell hintereinander statt. Beide Kassen sind zwar so ausgelegt, dass jeder Mitarbeiter auf Schicht Zugang hat, doch für meinen Fehler gab es Zeugen und ich gab ihn auch zu. Eine Mankohaftung war im Arbeitsvertrag nicht vereinbart. Des Weiteren war ich nicht der erste Mitarbeiter, dem dieser Fehler passierte, allerdings der mit dem höchsten Betrag. Nach meiner Kündigung wurde die entstandene Kassendifferenz von meinem letzten Lohn abgezogen.

Mein arbeitsgerichtliches Mahnverfahren



Wie das arbeitsrechtliche Mahnverfahren allgemein abläuft, können Sie hier nachlesen. Da alle Mitarbeiter ihre Fehlbeträge immer brav in die Kasse legten und mir als Student 200 Euro schon sehr fehlten, versuchte ich mich im Internet zu informieren und nahm schließlich die studentische Rechtsberatung meiner Universität in Anspruch. Ich erfuhr, dass es in meinem Fall rechtswidrig war, die Kassendifferenz einfach einzubehalten und dass ich selbst Schritte vor dem Arbeitsgericht dagegen einleiten konnte.
Ich entschloss mich nach einigen Überlegungen einen arbeitsgerichtlichen Mahnbescheid zu beantragen. Da ich Probleme hatte, dass nötige Formular in einem Schreibwarengeschäft zu bekommen, ging ich direkt zu meinem zuständigen Arbeitsgericht und beantragte mit Hilfe der Rechtspflegerin den Mahnbescheid.
Etwa 3 Tage später klingelte mein Telefon und mein ehemaliger Chef war in der Leitung. Er dachte, wir hätten alles geklärt und es wäre ja nicht das erstemal, dass ein Mitarbeiter so etwas versucht. Ich hätte den Fehler ja schon zugegeben und es stände schließlich auch im Kassenbuch. Ich könnte auf jeden Fall mit einem Widerspruch seinerseits rechnen denn vor Gericht hätte er gute Chancen. Das waren seine Worte.
Der Widerspruch kam nicht. Stattdessen bekam ich, ziemlich genau nach Ablauf der Frist von 7 Tagen, einen Brief vom Arbeitsgericht mit dem Vordruck für den Antrag auf einen Vollstreckungsbescheid. Ich füllte den Antrag aus und schickte ihn zurück. Ich dachte spätestens jetzt wird er Einspruch erheben und ich muss entscheiden ob ich klagen will, doch wieder nichts. Nach Ablauf der nächsten Frist landet ein Schreiben mit einem vollstreckbaren Titel „unberechtigt vom Lohn abgezogene Kassendifferenz“ in meinem Briefkasten. Ich schickte ihn zum Amtsgericht bei dem mein ehemaliger Arbeitgeber gemeldet war und hatte mein Geld wieder.